Nun, die Winterruhe hat wohl oder übel auch in meinem Blog etwas Einzug gehalten, was mir zwar Leid tut, aber seine Gründe hat. Neben der Tatsache, dass ich jetzt angefangen habe, mein Examen zu machen, hat sich mein PC kurz vor Silvester dazu entschieden, erstmal den Geist aufzugeben. Morgen werde ich zum IT-Mann meines Vertrauens fahren (kaio) und der wird mir den Rechner wieder richten, aber bis dahin musste ich jetzt mein altes Notebook mal wieder auftauen... ein uraltes Gerät mit einem kaputten Ram-Slot, der deshalb zur Zeit nur mit 256mb Arbeitsspeicher läuft... Ihr könnt Euch vorstellen, was das für ein Vergnügen ist.
Der Hauptgrund für die Stille hier aber liegt darin, dass ich gerade einfach kein Thema habe, was mich wirklich interessiert. Das gerade zurückliegende "Schneechaos", bzw. den "Extremwinter" will ich nicht wieder kommentieren, das ist ein alter Hut. Der neuerliche "Lebensmittelskandal" interessiert mich nicht sonderlich, ebensowenig dieser Amoklauf in Arizona, bzw. was daraus gemacht wird. Dass die Schweinegrippe gerade wieder erwähnt wird, erkläre ich mir auch mit der Tatsache, dass gerade einfach ein wenig das 'Panikmaterial' fehlt. Momentan ist mir so langweilig, dass ich schon fast darüber schreiben will, warum ich Denvers neuen Quarterback Tebow noch kritisch sehe und wieso ich nichts von Michael Vick und den Eagles halte. Aber keine Sorge, ich werde Euch davon verschonen... vielleicht schreibe ich demnächst auch mal Sportbeiträge, aber das würde ich dann in einem seperaten Blog machen - hier geht es weiter um Politik und Gesellschaft.
Nun, ich werde aber jetzt doch mal ein paar Worte über den "Lebensmittelskandal" und den Amoklauf in Arizona verlieren.
Eigentlich könnte mir dieser ganze Lebensmittelskandal ja ziemlich egal sein. Ich esse kein Fleisch, mag keine Eier und konsumiere kaum Milchprodukte, weil diese für erwachsene Menschen furchtbar ungesund sind. Insoweit ist es mir wirklich egal, ob sie in Schweinefleisch jetzt Dioxin, angereichertes Uran oder sonstwas finden. Aber die Debatte, die jetzt entbrannt ist, nervt mich ohne Ende, bzw. die damit wieder mal deutlich hervortretende Naivität der Verbraucher.
Wer sich mal einen halben Tag hinsetzt und mit der Lebensmittel'produktion' (das Quälen und Schlachten von Tieren bezeichnet die Industrie ganz euphemistisch als "Produktion) auseinandersetzt, der wird jeder feststellen, dass dieser Dioxinskandal nur die Spitze des Eisberges ist. Im Grunde genommen müssten jedes Schnitzel und jedes Glas Milch aus konventioneller "Produktion" als Sondermüll vernichtet werden. Die Tiere, seien es nun Rinder für den McDonalds-Burger, die Schweine für das Rügenwalder Mühlenmett oder die Hähnchen für 1,99 im Supermarkt, werden ihr gesamtes (viel zu kurzes) Leben mit Wachstumshormonen, Antibiotika und Giften aller Art vollgepumpt. Ich möchte es so sagen - wenn im Schnitzel ein bißchen Dioxin drin ist, dann ist das eigentlich das geringste Problem. Die Couleur an Chemie, die da drinstecken, dürften jedes Gewässer um osteuropäische Chemiewerke neidisch machen. Zwar wird hier angeblich immer streng kontrolliert, aber die Realität sieht doch anders aus: BSE, Gammelfleisch, Dioxin... man kann doch die Uhr nach dem nächsten Skandal stellen, es ist immer nur eine Frage der Zeit. Der jetzt so schockierte Verbraucher mag zwar in ein paar Wochen wieder beruhigt sein und die giftige Pampe weiter in sich reinstopfen, in dem naiven glauben, diesmal habe die Politik "ordentlich aufgeräumt", aber die Tatsache ist, dass wir in ein, zwei, drei Jahren wieder irgendeinen Skandal haben. Sei es, dass aufgedeckt wird, dass Schlachtabfälle in Bockwürsten verarbeitet werden (offenes Geheimnis, wollen aber die meisten Verbraucher nicht hören), dass Fleisch ein Übermaß an Hormonen aufweist, die schädlich für den Menschen sind oder was weiß ich - irgendwas wird kommen. Mal ernsthaft - wie naiv kann man denn sein zu glauben, dass die Gammelfleisch-Geschichte vorbei ist? Geht doch mal in einen Supermarkt. Da gibt es in der Kühltheke dieses lieblos in Folie eingewickelte Hackfleisch, mit dieser unglaublich gesunden braun-grauen Färbung für 89 Cent das Kilo oder so... wer bitte glaubt denn ernsthaft, dass das frisches Fleisch ist?
Gut, andere Verbraucher halten sich da für viel klüger, sie greifen nur zu Biofleisch. Blöd nur, dass auch Biotiere in den konventionellen Schlachthöfen ermordet werden und von daher nichtmal garantiert werden kann, dass das Biofleisch auch bio ist und nicht vielleicht doch mit konventionellem Fleisch vermischt wird (ganz davon ab ist Fleisch eh saumäßig ungesund, Bio hin oder her... aber das steht auf einem anderen Blatt).
Was mich wirklich an der ganzen Sache nervt, ist die Naivität der Verbraucher. Keiner wundert sich, dass ein ganzes Hähnchen für 1,99 zu bekommen ist oder Bockwürste für 85 Cent im Aldi. Da jubelt jeder, ist es nicht toll - alles so billig.
Die Tatsache, dass es seine Gründe hat, wieso das alles so billig ist, interessiert wieder niemanden: Massentierhaltung, Tierquälerei (gegen die ja eigentlich jeder angeblich ist), Gifte im Fleisch, katastrophale hygenische Zustände bei der Verarbeitung, Abfälle in Wurst, usw.
Es tut mir Leid, dass so deutlich sagen zu müssen, aber die Verbraucher sind dumm.
Ich muss mir als Vegetarier oft anhören, Vegetarismus sei ja ach so teuer. Hm... gut, dann gucken wir uns doch mal an, woran das liegt.
1. Für viele Produkte, die ich konsumiere, muss ich 19% Mehrwertsteuer bezahlen. Ein Liter Milch wird mit 7% MwSt. besteuert, ein Liter Sojamilch mit 19%. Das zieht sich komplett durch und ist mir nicht ganz begreiflich. Wieso ist Sojamilch ein Luxusgut und kein Lebensmittel?
2. Fleisch und Milch sind so billig? Ja, aber nur, weil wir alle dafür bezahlen, nämlich Steuern und diese Steuern gehen dann als Subventionen an die Bauern. Fleisch und Milch sind nur Dank dieser Subventionen so billig - gäbe es diese nicht, würde der Liter Milch nicht mehr 55 Cent kosten und die Würstchen 85 Cent. Aber das kennen wir... das will wieder keiner hören. Fleisch ist billig, Vegetarismus unbezahlbar...
3. Vegetarismus ist nicht teuer. Ich habe ja nun Überblick über beide Lebensweisen, weil ich beide selbst finanziert habe. Im Großen und Ganzen spare ich eigentlich Geld, da 3 Paprika einfach günstiger sind, als 500g Hackfleisch. Dieser Mythos, frisches Obst und Gemüse, sei ja ach so teuer... woher kommt das? Keinen stört es, Steaks für 8,99 einzukaufen, aber sobald das Kilo Tomaten 2,49 kostet, ist das angeblich unbezahlbar teuer.
Und selbst wenn es teurer wäre... ja, ich gebe viel Geld für Lebensmittel aus, aber diese Entscheidung habe ich bewusst getroffen. Nichts (wirklich nichts!) macht so sehr unsere Gesundheit aus, wie unsere Ernährung. Mir ist diese Gesundheit durchaus was wert. Dann kaufe ich mir halt mal hier 'ne DVD weniger, gehe dort 'nen Abend weniger weg oder sowas, aber dafür tue ich mir alles in allem etwas Gutes. Aber gut, das sind jetzt schon wieder grundsätzliche Dinge und ich schweife ab.
Der eigentliche Punkt ist: Verbraucher lassen sich täuschen, weil sie sich täuschen lassen wollen. Die Werbung erklärt uns, was gesund ist und wenn Jörg Pilawa sagt, die Rügenwalder Mühle testet alle ihre Produkte, dann wird das stimmen, denn Jörg Pilawa würde uns nicht belügen. In 4-6 Wochen ist dieser ganze Skandal wieder vergessen und der Konsum von Schweinefleisch und Eiern wird sich wieder auf das Niveau vor dem Skandal einpendeln. Man wird sich weiterhin nicht wundern, wieso Schnitzel und Eier so günstig sind und wird fröhlich weiter Gift in sich reinstopfen. Gut... wer sich so leicht täuschen lässt, hat es irgendwo auch nicht besser verdient. Nur bitte... beim nächsten 'Skandal', macht nicht so ein riesen Faß auf. Fragt Euch lieber mal, wo Eure Verantwortung dabei liegt. Es ist leicht, die Schuld immer anderen zu geben, aber die Tatsachen sind doch so: Wer Bockwürstchen für 85 Cent will, muss damit leben, dass er Gift im Essen riskiert; wer Kaffee für 2,99/Kilo will und Schokolade für 35 Cent/Tafel, muss damit leben, dass er Kinderarbeit fördert. Es gibt Möglichkeiten für den Verbraucher, durch sein Verhalten Dinge zu ändern, aber er will nicht. Die meisten schützen sich mit "Ich habe das Geld nicht", aber dabei belügen sie sich selbst. Für viele sollen Lebensmittel eins sein: billig. Nicht, weil sie es sich nicht leisten könnten, wenn sie mehr dafür ausgeben würden, sondern einfach weil ihnen Kino, Urlaub, Auto, IKEA-Schränke und all dieser Konsumschrott tausendmal wichtiger sind, als ihre Ernährung und damit verbunden ihre Gesundheit.
Sorry... aber wer neue Klamotten oder 3 Kinobesuche über die eigene Gesundheit stellt, der soll sich nicht aufregen, wenn er Gift serviert bekommt.
So, wenn ich mich gerade schon aufrege: Amoklauf in Arizona und was höre ich wieder? Schuld sind zwei Dinge:
#1: Die laschen Waffengesetze in Arizona
#2: Die Tea Party Bewegung
Kurze Frage: Was soll der Schwachsinn?
Ist es nicht unglaublich, dass die (deutschen) Medien noch immer Amokläufe nur so monokausal erklären können und dabei mal eben tatsächliche Ursachen ausblenden? Die Waffengesetze sind Schuld? Die Tea Party? Hallo?
Der Typ war irre - der wollte eine neue Zahl, einen neuen Buchstaben im Alphabet und eine neue Grammatik einführen. Der Kerl hatte vollends den Verstand verloren, weshalb auch immer. Es mag ja sein, dass die liberalen Waffengesetze in Arizona und auch manche Aussagen der Tea Party Bewegung diesen Amoklauf mit beeinflußt haben... aber zu wieviel Prozent? 1%? 2%? Wenn überhaupt so viel...
Ich meine, dieser Typ macht es uns ja schon nicht leicht. Er hat rechtsextreme Hetzschriften gelesen, aber auch Bücher von Marx und linke Punkmusik gehört. Da wird es schon schwierig, denn offensichtlich haben wir hier eine komplexe Persönlichkeit, die man nicht irgendeiner Hassgruppe wie Nazis, Islamisten oder Linksextremisten zuordnen kann. Auch hat man, zumindest habe ich bisher nichts gegenteiliges gehört, keine furchtbaren Metal-CDs oder brutale Computerspiele bei ihm gefunden. Da wird es langsam schwierig mit Erklärungen und ggf. müsste man sich nun aufmachen und versuchen, das riesige Knäuel an Motiven zu entwirren, welche jemanden dazu bewegen Amok laufen, aber das wird tunlichst vermieden.
Für den Deutschen ist klar: Es sind die Waffengesetze gewesen.
So Leid es mir tut, aber die Waffengesetze in den USA motivieren NIEMANDEN zum Amoklauf, wie denn auch? Menschen, die eine psychische Störung haben und Amok laufen wollen, kommen an Waffen... egal ob in sehr waffenfreundlichen Staaten wie Arizona oder aber in Ländern mit extrem restriktiven Gesetzen wie England. Ich erinnere - auch in England gab es letztes Jahr einen Amoklauf mit Schusswaffen. Wer Amok laufen will, der bekommt seine Waffen irgendwie. Vielleicht war es für den Typen in Arizona leichter, aber ich sehe noch immer keinen kausalen Zusammenhang zwischen dem einfachen Zugang zu Waffen und dem Entschluss, Amok zu laufen. Denkt man diese Logik weiter, dann ist der Grund für die vielen Verkehrstoten durch Fahren unter Alkoholeinfluss auch damit zu begründen, dass wir in Deutschland so leichten Zugang zu Alkohol und Autos haben.
Gut, natürlich macht es dieser Zugang leichter, zu saufen und dann zu fahren - aber im Endeffekt entscheidet doch der Einzelne, ob er den Wagen nimmt oder stehen lässt. In einigen Staaten in den USA herrschen ganz strikte Alkoholgesetze... und was passiert? Es gibt trotzdem Leute, die besoffen fahren.
Der Zugang zu Waffen macht keinen Amokläufer.
Ebensowenig die Tea Party. Die ist jetzt für die deutschen Medien ein toller Sündenbock, denn so kann man diesen Haufen leicht abstempeln und muss nichts großartig erklären. Die Tea Party kann man jetzt endlich als Haufen militanter Spinner abstempeln, der angeblich Hass in der US-Politik sät und gegenüber den weißen Rittern der Demokraten, das grundauf Böse in der US-Gesellschaft sind.
Keine Frage, die Tea Party sind Spinner... aber ihre scharfe Rhetorik hat sicherlich diesen Amoklauf nicht initiiert. Jetzt werden zwar 'unglaubliche Tatsachen' enthüllt, wie bspw. die Kennzeichnung demokratischer Wahlkreise in einigen US-Staaten mit Fadenkreuzen seitens der Oberirren Palin, aber was verschwiegen wird ist, dass die Demokraten umgekehrt genau solche Grafiken auch schon ins Netz gestellt haben, auch mit den Fadenkreuzen.
Den Mythos Tea Party könnte man so einfach erklären und damit auch verdeutlichen, warum diese Bewegung in wenigen Jahren wieder tot sein wird. Stattdessen aber wird sie hier zum Erzfeind des demokratischen Amerika erhoben und das ist einfach lächerlich. Dieser Haufen religiöser Spinner wird sich dauerhaft nicht in den USA durchsetzen. Solche "grass roots movements" hat man alle paar Jahre in den USA. Sie tauchen plötzlich auf, machen etwas Wirbel und sind dann ganz plötzlich wieder weg.
Die scharfe Rhetorik der Tea Party hat den Amoklauf mitverschuldet? Die liberalen Waffengesetze?
Hier mal ein ganz anderer Ansatz, auf den die Süddeutsche vor ein paar Tagen hingewiesen hat: Alle politischen Attentäter in den USA, vom Lincoln-Mörder über den Oklahoma City Bomber bis hin zu dem Kerl in Arizona waren Menschen, die sehr viele politische Bücher gelesen haben. Müssen wir jetzt daraus nicht eher schließen, dass die Bücher Schuld sind? Diese Erklärung wäre min. genau so logisch, wie der Versuch, die Schuld bei den Waffengesetzen zu suchen.
Auch hier zeigt sich wieder die Naivität der Menschen. Die Erklärung solch unfassbarer Taten müssen simpel sein: Schuld sein müssen Marylin Manson, Counter Strike oder Dinge, die wir einfach nicht verstehen und die deshalb böse sein müssen (Tea Party, Waffengesetze, etc.) Dass aber so ein Amoklauf von dutzenden, wenn nicht sogar hunderten Faktoren beeinflußt wird, das ist egal. Das ist kompliziert und am Ende eines solchen Reflektionsprozesses müssen wir uns vielleicht auch noch eingestehen, dass wir als Gesellschaft eine Mitschuld tragen...
Ob Lebensmittelskandal oder Amoklauf... die Eigenverantwortung immer von sich wegstoßen. Wie es mich nervt...
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